Guter Schlachter



zweite Geschichte ohne Ende...
...das Schlachten


Ich erzähle also von einer nächsten Sache, zugegeben eine etwas delikatere und wohl auch nicht jedermanns Geschmack, darüber nachzudenken. Es handelt sich um das Schlachten von Tieren.
Vor langer, langer Zeit - so könnte also die Geschichte beginnen- habe ich eine Berufsausbildung als Metzger gemacht. Damals eigentlich mehr unter dem Aspekt, daran anschliessend eine Ausbildung zum Koch zu absolvieren. Wie sich mittlerweile herauskristallisiert hat, blieb es beim Metzger. Kurze Zeit nach der Ausbildung habe ich diesen Beruf aufgegeben und wollte nie wieder etwas damit zu tun haben. Wie das Leben aber so spielt, holten mich die Tatsachen wieder ein und ich durfte mich erneut mit dem Thema des Schlachtens von Tieren beschäftigen. Unsere Landwirtschaft im Rahmen des Fercher von Steinwand Vereins brachte es mit sich, dasz Tiere gemetzgert werden mussten. Die Natur ist darauf bedacht, viel zu produzieren und wir Menschen sind von Zeit zu Zeit genötigt, regulierend einzugreifen, ansonsten würde diese Natur in ihrer kultivierten Form nicht lange anhalten können.
Aber wer gibt mir das Recht, ein oder vielleicht sogar mehrere Tiere nacheinander zu töten? Einfach, damit ich oder wir etwas zu essen haben?
Ich nehme einem doch hoch entwickelten Wesen sein Leben in voller Absicht und ohne es ihm wieder zurückgeben zu können!
Wer nimmt, muss auch geben?....aber was?...
Früher gab es diese Frage nicht, jedoch war eine Antwort da. Ich denke, die Menschen aus vergangenen Zeiten, die zu Opferfesten Tiere töteten, hatten nicht unser Bewusstsein, konnten aber verantwortungsvoll handeln in dieser Sache. Leben wurde geopfert und zwar den Göttern, zu Ehren der Götter. Es gab ein Ritual, das genau befolgt wurde. Und irgendwie war das, so denke ich jedenfalls in meinem heutigen Kopf, "in der Ordnung". Was war das für "Leben", das sie opferten? Bei diesen Festen waren immer viele Menschen zugegen und trugen diese Handlung, die der einzelne Mensch vornahm, durch ihre Anwesenheit mit. Ich denke, sie opferten gemeinsam, was ihnen zuvor ans Herz gewachsen war, sonst wäre es ja doch kein Opfer für sie gewesen, diese Tiere waren möglicherweise als Lebewesen wie ein Teil von ihnen selbst.
Wie würde ich heute gerne handeln?


Knut Rennert lebte und arbeitete ein Jahr in Dürnau. Seine Interesse galt damals wie heute dem Instrumentenbau und der Musik. Mit ihm konnte ich das Thema des Schlachtens neu greifen. Früh morgens als die Sonne aufging waren wir auf dem Hofgelände, unsere Wasserquelle plätscherte frisch und munter zum Vogelgezwitscher, die Kälte der Nacht lag noch ums Haus. Knut legte verschiedene Instrumente auf einen Teppich neben unserem Fischteich. Es waren verschiedene Triangeln und einige Gongs. Knut hatte sich früher selbst nicht mit dem Thema des Schlachtens beschäftigt. Wir verständigten und fast ohne Worte. Nach einer Zeit ging ich in den Stall und holte das Tier heraus. Alles war ganz still, bis auf die Natur, in deren Geräuschkulisse wir eingebettet waren. Ich ging mit dem Tier zur Pappel neben dem Fischteich, Knut nahm einen Gong auf und schlug diesen anfänglich ganz sacht dann etwas lauter. Dadurch wurde eine Art atmosphärische Spannung erzeugt. Das Tier am Seil schien verwundert ob der Töne, aber auch von ihm ging völlige Ruhe aus. Knut ging um uns herum, während ich mich bereit machte, das Tier mit dem Bolzenschussapparat zu betäuben.
Es folgte ein Spruch, der an das Tier gerichtet war. In diesem Spruch bedanken wir uns bei dem Tier für sein Leben, das es letztendlich für uns gelebt hat, und es wird aufgefordert, die nahe Zukunft zielgerichtet zu erleben. Ein Knall, das Tier bricht zusammen, seine Augen sind geöffnet, leer ist sein Blick, es schlägt mit den Beinen, so als würde es noch ein Stück gehen wollen. Ich öffne die Halsschlagader, mit grossem Druck entweicht das rote Blut in das grüne Gras. Man erkennt den Herzschlag am Austritt des Blutes. Das Tier atmet tief. Um uns herrscht völlige Stille, Knut hat beim Schuss aufgehört, den Gong zu schlagen. Jetzt nimmt er verschiedene Triangeln, spielt diese anfänglich laut, dann immer leiser werdend, umkreist uns wie schon zuvor. Nach einigen Minuten liegt das, was von dem Tier zurückbleibt, regungslos vor uns. Es ist gestorben.
Jetzt können wir nichts mehr tun, scheint es, die Töne verstummen und nun weicht unser Angespanntsein einer gewissen inneren Gelöstheit. Einmal haben wir es gut gemacht und zum ersten mal haben wir es besser gemacht als sonst. Wir haben das Gefühl, dasz dieses Tier den Umständen entsprechend nicht hätte besser sterben können.
Danach folgt die Arbeit am verbliebenen Körper des Tieres, nicht anders als es nach der Handwerkskunst üblich ist. Leider hat Knut uns verlassen und ich konnte dieser Sache nie wieder so hoffnungsvoll nachgehen wie damals.
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